Tee - Genuss pur

Ein Tässchen Tee gegen den Lärm der Welt:

Teetrinken ist purer Genuss. Und nebenbei stärkt ein regelmäßiger Konsum unsere Gesundheit und beugt vielen Krankheiten vor 

von ALEXANDRA KUCHENBAUR

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Der Legende nach nahm die Erfolgsgeschichte von Tee ihren Anfang in China: Als Kaiser Shennong fast 3000 Jahre vor Christus wie üblich sein Trinkwasser abkochte, wehte ihm der Wind ganz zufällig das Blatt eines wild wachsenden Teestrauches in die Tasse. Der Kaiser kostete von dem goldbraunen Getränk und war hingerissen von seinem Aroma. Doch erst im 17. Jahrhundert fand Tee durch Handelsgesellschaften seinen Weg nach Europa. Mit einer Weltproduktion von über fünf Millionen Tonnen pro Jahr ist Tee nach Wasser das weltweit populärste Getränk. Auch wir Deutschen lieben Tee: Mit 28 Litern Pro-Kopf-Konsum im Jahr 2015 erreichte die deutsche Teebranche ein Allzeithoch.

 

Eine Schale Tee zu bereiten hat eine ganz andere Qualität, als einen Kaffee zu brühen. Teetrinken ist eine Königsdisziplin, die Zeit, Pausen und Zeremonien verdient. Tee ist Labsal für die Seele – und Heilmittel. Das gerbstoffhaltige Getränk hilft bei Durchfällen, hemmt schädliche Bakterien und Säuren im Mundbereich und wirkt als fluoridreichstes pflanzliches Lebensmittel kariesvorbeugend und plaquehemmend. Als Kompresse beruhigt Schwarztee geschwollene Augenlider und eine überreizte Neurodermitishaut.

 

Schwarzer Tee erhält sein Aroma durch Fermentation, einen enzymatischen Prozess: Enzyme im Inneren der frischen Teeblätter oxidieren bestimmte Pflanzenwirkstoffe, sobald die Blätter zerdrückt und damit deren Zellwände aufgebrochen werden. Durch Erhitzen wird die Fermentation nach der gewünschten Zeit gestoppt. Je nach Fermentationsdauer ändern sich Farbe und Geschmack der Teeblätter.

 

Oolong-Tee ist nur kurz fermentiert, grüner Tee gar nicht. Bei der Erzeugung von grünem Tee müssen die Pflückerinnen schon beim Ernten der Teeblätter darauf achten, diese nicht zu knicken oder zu verletzen, um die pflanzeneigenen Enzyme inaktiv zu halten. Anschließend wird das Blatt erhitzt, gerollt und an der Sonne getrocknet. So entsteht unfermentierter Grüntee. Weißer Tee bezeichnet einen kurz anfermentierten Tee aus Blattknospen und jungen Teeblättern.

 

Johanniskraut Seine Blütenblätter fangen die Sonne ein und geben sie mit stimmungsaufhellender Wirkung weiter

Ayurveda bedeutet „das Wissen vom Leben“. Die traditionelle indische Heilkunst kennt eine Vielzahl von Teemischungen 

Engelwurz Die uralte Schutzpflanze ist in vielen Kräuterrezepturen enthalten und gilt als Glücksbringer

 

Heilsame katechine

Den Katechinen des Tees, die zur Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe zählen, werden krebsfeindliche, antioxidative, entzündungshemmende und antimikrobielle Eigenschaften zugesprochen. Das Hauptalkaloid der Teepflanze ist Koffein, wobei grüner und schwarzer Tee einen annähernd gleichen Mengengehalt davon aufweisen: im Mittel 50 mg pro Tasse, das sind halb so viel wie Kaffee. Eine im Tee enthaltene Aminosäure, L-Theanin, dämpft die zentral überstimulierende Wirkung des Koffeins und regt im Gehirn die Frequenz von Alpha-Wellen an, sodass ein Zustand von entspannter Wachsamkeit hervorgerufen wird.

 

Alle Katechine aus grünem Tee sind starke Antioxidantien. Sie hemmen besonders aggressive freie Radikale und sparen damit andere Radikalfänger wie Vitamin E und Beta-Carotin ein. Katechine schützen vor strahlenerzeugten DNS-Schäden. Tee entspannt die Gefäße, was sich positiv auf den Blutdruck auswirkt. Die Fließfähigkeit des Blutes wird dadurch verbessert, dass sich Fibrinogen (eine blutgerinnende Substanz) und die Blutplättchenzusammenballung unter Einfluss bestimmter Katechine vermindern.

 

Grüner Tee trägt dosisabhängig dazu bei, den Blutzuckerspiegel abzusenken und Insulinspitzen zu verhindern. Er vermindert die Fettaufnahme und beeinflusst so auch den Blutfettspiegel positiv, was sich als äußerst vorteilhaft für die Gefäßgesundheit erweist. Zudem zeigt grüner Tee ein starkes antivirales Potenzial. Seine Hemmeffekte auf Enzyme, die zur Virusvermehrung in den Zellen benötigt werden, sind genauso beeindruckend wie seine Hemmeffekte auf Tumorwachstum.

 

Schwarztee ist weltweit die beliebteste Teesorte und als gesunde Alternative zu Kaffee weitverbreitet

Rose Die Königin der Blumen verleiht Teerezepturen Harmonie und eine leicht aphrodisierende Note

Thymian wirkt belebend, ist stark infektionswidrig und ein kraftvolles Mittel zur Stärkung von Lunge und Bronchien

 


Milch lieber nicht

Tee hält, was er verspricht, vorausgesetzt, man trinkt ihn ohne Milch. Durch tierische Milch können Polyphenole, die bioaktiven Substanzen im Tee, nicht vom Körper aufgenommen werden, was Tee zu einem beliebigen Heißgetränk degradiert.

 

Zur Extraktion der Polyphenole sind mindestens fünf Minuten Aufgussdauer nötig. Im Getränk steigt damit zwar der Koffeingehalt, aber parallel dazu lösen sich mehr Gerbstoffe im Wasser, die wiederum die Koffeinaufnahme verzögern. Gerade das Koffein im Tee macht grünen und schwarzen Tee nicht zu irgendeinem Durstlöscher, sondern zu einem Genussmittel. 

 

Im engeren Sinne bezeichnet „Tee“ ausschließlich die getrockneten Pflanzenteile des Teestrauches Camellia sinensis. Im alltäglichen Sprachgebrauch verwendet man den Begriff „Tee“ jedoch auch für andere Aufgussgetränke, die aus Pflanzen zubereitet werden: 

 

Rooibos (Rotbusch) ist der Name der Afrikaans für einen vanilligen, koffeinfreien Tee, der traditionell im Süden Afrikas zubereitet wird und längst seinen Weg zu uns gefunden hat. Das rote Getränk ist reich an Mineralstoffen und durch seinen geringen Gerbstoffgehalt auch für Kinder wohltuend. Der robuste Strauch mit seinen langen, rutenartigen Zweigen mit dünnen Ästchen und gelben Blüten sieht unserem einheimischen Ginster sehr ähnlich. Seine interessanteste Wirkstoffgruppe sind antioxidativ wirkende Flavonoide, die wichtige Zellschutzfaktoren sind und Alterungsprozesse verlangsamen. Honeybuschtee stammt von einem Strauch aus den Gebirgen Südafrikas, der bauchige gelbe Blüten entwickelt. Seinen Namen verdankt er dem typisch honigartigen Geschmack.

 

Früchtetees sind in vielfältigsten Varianten im Angebot – vom „Winterzauber“ bis „Lemon Summer“ je  nach Komposition der Zutaten. Sie können warm und kalt genossen werden. Zahlreiche Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Polyphenole machen ungesüßten Früchtetee zu einem nahezu kalorienfreien Getränk, das optimal zur Deckung des täglichen Flüssigkeitsbedarfs beiträgt. 

 

Ganz besondere Perlen aus der Schatztruhe alten Heilwissens sind ayurvedische Teemischungen. Ihre Kompositionen erinnern an Tage, in denen so manches Gewürz mit Gold aufgewogen wurde. Rezepturen aus der traditionellen indischen Heilslehre berühren den Menschen in seiner Einheit aus Körper, Sinnen, Geist und Seele.

 

Kräutertees werden aus Heilpflanzenteilen bereitet. Es gibt sie pur oder in Mischungen. Schon beim Öffnen der Packung erzählen die Düfte und Aromen der Blätter, Blüten und Wurzeln von Blumenwiesen und Klostergärten. Beachten Sie aber, dass es sich dabei um Heilpflanzen mit pharmakologisch wirksamen Inhaltsstoffen handelt. Am besten lassen Sie sich bei der Pflanzenauswahl fachkundig beraten, denn jedes Kraut hat eigene Heilanzeigen und Kontraindikationen. So müssen bestimmte Stoffe etwa in der Schwangerschaft und Stillzeit vermieden werden; andere behindern die Resorption oder Wirksamkeit von Arzneimitteln.

 

Lassen Sie sich bei Ihrer Teewahl nicht von Herkunfts- und Blattkriterien leiten, sondern achten Sie auf Rückstandsfreiheit, biologische Qualität und Fair Trade. Lose Tees entfalten ihr Aroma besser als Beuteltees. Am besten ziehen die Wirkstoffe in rückstandsfreiem, weichem Wasser zugedeckt aus. So beschenken uns sanfte Naturkräfte mit Genuss und Genesung. 

 

Früchtetee Fruchtmischungen aus Hagebutten, Sanddorn, Apfel und mehr schmecken blumig, würzig, lieblich oder herzhaft

Rooibos wird auch Roibusch oder Rotbusch genannt und ist eine beliebte koffeinfreie Pflanze mit vanilligem Aroma

 


SEELENWÄRMER FÜR KALTE TAGE

Heilpflanze

 

Benediktenkraut   

(Centaurea benedicta)

 

 

 

Betonie

(Betonica officinalis)

 

 

Engelwurz   

(Angelica archangelica)

 

 

 

 

Johanniskraut

(Hypericum perforatum)

 

 

 

 

Lavendel 

(Lavandula angustifolia)

 

 

Pfefferminze

(Mentha piperita)

 

 

 

Rose 

(Rosa centifolia, 

damascena, canina)

 

Kurzporträt

 

Führt Energie zu bei körperlicher und seelischer Überlastung. Die Leber- und Stoffwechselpflanze wirkt stimmungsaufhellend und Ich-stärkend bei Leistungsminderung. Nicht geeignet bei Allergie gegen Korbblütler.

 

Gibt Kraft und Zuversicht bei Anspannung, Unsicherheit, innerer Unruhe und nervösen Leiden. Entspannt, wenn zu viel Kopflastigkeit nicht schlafen lässt.  

 

Spitzenmittel bei schlechtem Energiestatus. Verbessert in Belastungssituationen die Stresstoleranz und gibt Mut und Zutrauen. Traditionelle Schutzpflanze. Kann aber wie andere Doldenblütler Allergien oder Lichtempfindlichkeit hervorrufen. Kontraindiziert bei Magen-Darm-Geschwüren.

 

Harmonisierende Wirkung auf Nervensystem und Psyche, stimmungsaufhellend bei winterlichen Stimmungstiefs. Vorsicht: Steigert die Lichtempfindlichkeit. Kontraindiziert bei vielen Medikamenten, da wirkungsabschwächend bei Blutverdünnern, Antibabypille, Zytostatika u. v. a. m.

 

Großartiges Nervenmittel mit tonisierender und zugleich entspannender Wirkung. Bei nervösen Leiden aller Art. Ausgleichend, beruhigend und stimmungsaufhellend.

 

Führt Energie zu bei jeder Art von mentaler Schwäche, deshalb angezeigt bei Erschöpfung, nervösen Magenleiden u. Ä. Belebende, stimmungsaufhellende Wirkung. Kontraindiziert bei homöopathischer Behandlung.

 

Gutes Nerventonikum bei Dauermüdigkeit und Spannungszuständen. Traditionelles Stärkungsmittel bei reizbarer Schwäche und schwacher Libido. Verkörperung des Sinnlich-Weiblichen.